Peterle (Spitzname Keks)
Meine kleine Lebensgeschichte
1. Lebensphase
Ich bin ein waschechter Schwarzwälder, aus St. Peter. Der Start ins Leben war etwas ruppig, weil er auf der Straße begann. Meine Mama hat sich zwar ganz rührend um mich gekümmert, solange ich klein war, aber bereits mit 12 Wochen hat sie mich verstoßen, weil nicht genug Futter für alle da war. Ich bin dann ziemlich lange mit leerem Bauch herumgeirrt. Dann habe ich Futter entdeckt, das war lecker,
auch wenn ich es teilen musste. Die anderen haben mir was abgegeben, weil Lebewesen mit zwei Beinen so flache Behälter immer wieder nachfüllten, bis wir alle satt waren.
Da hätte es sich gut aushalten lassen, wenn es auch einen trockenen warmen Unterschlupf gegeben hätte. Es gab zwar einen, den diese Zweibeiner Heizungskeller nannten, der war zwar trocken, aber der Boden war immer saukalt. Ich habe einige Zeit dort gelebt, durch die ständige Kälte bekam ich Husten und wurde immer schwächer. Die Zweibeiner haben dann mit einem kleinen Rechteck gesprochen und dann kam eine andere Zweibeiner, die hat mir eine Höhle mit ganz leckerem Futter hingestellt. PFFF habe ich gedacht so nicht. Nur diese Höhle blieb einfach stehen und meine bisherigen Zweibeiner haben sie auch immer mit immer leckerem Futter gefüllt. So ging es ein paar Tage, dann dachte ich es passiert ja nichts, ich kann das Futter fressen und wieder aus der Höhle raus. Vorteil: es war da drin immer schön trocken. Nach mehreren so feinen Mahlzeiten kam dann der Schock: ich wollte es mir gerade mit dem Futter gemütlich machen, da gab es einen Rums und ich kam aus der Höhle nicht mehr raus. HIIILLFFFEEEE!!! Hört mich denn keiner. Doch ich wurde erhört, aber anders als ich wollte. Man stopfte mich in eine noch kleinere Höhle (heute weiß ich das Ding heißt
Transportbox) und brachte mich zu weiß und rot gekleideten Zweibeinern. Die stellten dann allen möglichen Unsinn mit mir an, dann weiß ich nichts mehr. Als meine Sinne wiederkamen, bekam ich kaum Luft. Diese Weißkittel pieksten mich, steckten mich in einen Käfig (da bekam ich wenigstens besser Luft) und stopften mir eklige Flüssigkeiten in mein Mäulchen. Ich wollte nur noch eins, nur raus hier.
2. Lebensphase
Diese Phase begann damit, dass eine Dame wieder mit so einer Transportbox kam und mich darin einsperrte. Ich hätte fast einen Herzkasper bekommen, weil diese Dame mich in eine noch größer Transportbox mit Rädern stopfte (Auto genannt) und damit auch noch losschaukelte. Igitt war mir schlecht. Nach gefühlt 100 Jahren (naja es waren wohl nur 30 Minuten), hielt das Monster an, die Dame stieg aus und brachte mich zu einem recht passabel wirkenden Haus. Dort wurde geklingelt und eine andere Zweibeinerin öffnete. Dann gab es wieder gefühltes stundenlanges Palaber an dessen Ende die Neue die Transportbox nahm und in einen gekachelten, warmen kuscheligen Raum stellte. Dort roch es nach Futter und die Box wurde geöffnet. Wenn ihr denkt, ich komme raus, damit ihr mich wieder pieksen könnt, Fehlanzeige, ich bleibe drin sitzen. Die Neue sprach kurz mit mir, klang irgendwie beruhigend, danach ging sie einfach weg. Also noch kurz warten, dann den Raum erkunden und das Futter vernichten. Danach war ich so erschöpft, dass ich die ganze Nacht geschlafen habe. Mit dem Luft holen wurde es wieder schlechter. Die neue Zweibeinerin machte sich richtig Sorgen um mich, ich fühlte mich fast wie bei meiner Mama, deshalb nenne ich sie jetzt auch so. Also, meine neue Mama, sprach wieder öfters in dieses Rechteck, und jeden Morgen und Abend wurde ich von einem Mann festgehalten und meine neue Mama flößte mir auch so ekliges Zeug (die nennen das Medikamente) rein. Der Raum, in dem ich war, war zwar größer als vorher, aber doch ziemlich klein. Zu klein, weil es mir langsam doch besser ging. Zu allem Überfluss fing meine neue Mama auch noch an, mich jeden Abend in die Transportbox zu stopfen, eine Decke drüber zu machen und irgendein Medikament mit etwas, was sie Inhalator nannte in die Box zu sprühen, so dass mein Fell ganz feucht wurde, bäh.
3. Lebensphase
Dank dieser abendlichen „Dusche“ ging es mir immer besser und eines Tages ließ meine Mama die Tür zu meiner Box (Mama nannte es Badezimmer) auf. Ich dachte erst, sie hat vergessen die Türe zu schließen, aber das war nicht so. Bevor ich die neue Situation richtig einschätzen konnte, fegte eine grauweiße einäugige Katze in den Raum und versuchte, sich mit mir zu balgen. Die habe ich erstmal vermöbelt. Dann bin ich selbst langsam durch alle Räume geschlichen, oh je, hier leben ja tausende, hunderte oder mehr Artgenossen, bei genauem zählen, kam ich aber nur auf 9. Eine Dreifarbige, ist eine Zicke, die mag ich nicht, meine neue Mama aber schon, deshalb versuche ich mich zu arrangieren. Eine zweite Dreifarbige meint Katzenmama bei mir machen zu müssen und schleckt mich dauernd ab. Ist schon älter, naja, lassen wir sie halt. Mit der grauweißen
Einäugigen (sie wird Sternchen gerufen), komme ich inzwischen gut klar. Sie hat zwar auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel, benimmt sich aber immer noch wie ein Katzenteenager, das macht Spaß. Ich beschloss hierzubleiben, bis eines Tages jemand kam und der Mann und dieser Besuch die Wohnungstüre aufließen. Das habe ich dann genutzt und bin ganz schnell nach draußen in die Freiheit. Doch das war ja gar nicht mehr mein Schwarzwald mit Bäumen und Wiesen, sondern bei dem Haus meiner Mama, gab es zwar ein paar Bäume und Gras, aber drumrum nur kalter Stein und die großen rädrigen Blechboxen, die viel Krach machten und sehr schnell waren. Ich bin dann ein bisschen rumgelaufen und als ich wieder an die Haustür kam, es war inzwischen dunkel, gab es da einen Futternapf und die Türe war zu. Das war ein großer Schock für mich, denn ich wollte doch wieder rein. Ich bekam zwar mit, dass meine Mama immer wieder nach mir rief, sie nennt mich Peterle, aber wenn ich an die Türe kam, war diese wieder zu. Bedeutete das jetzt, dass ich wieder zum Straßenkind geworden war? Am nächsten Tag versuchte ich immer in der Nähe der Türe zu bleiben, aber irgendwie habe ich immer den Zeitpunkt verpasst, an dem diese offen war. In der Nacht dann, ich wollte schon fast aufgeben, stand dann wieder so eine Höhle mit meinem Lieblingsfutter in der Nähe der Tür und die Tür schien auch nicht total geschlossen zu sein. Ich schnupperte in die Höhle, dachte dann aber, wer weiß, ob das tatsächlich von meiner Mama ist, da gehe ich nicht mehr rein. Ich bin dann nochmal weggelaufen, kam aber doch wieder in der Hoffnung, dass die Tür immer noch ein bisschen offen ist. Das war sie auch, aber ich kriegte sie nicht weiter aufgeschubst. Plötzlich, ich bekam einen riesigen Schreck, ging die Tür auf und meine Mama
lockte mich mit Rufen und kleinen Handbewegungen. Ich hatte trotzdem Angst und kam nur ganz langsam
näher, bis meine Mama mich plötzlich im Genick packte und hinter die Tür zog und diese schloss. Natürlich habe ich mich da wie eine Wildkatze und ein freilebender Kater benommen, das war ich meiner Ehre schuldig. Als aber die Wohnungstür aufging, bin ich reingerast habe mich hingeworfen und mit meiner Mama, die gefolgt war, so geschmust und geschnurrt, als wäre ich schon immer in einem Haus gewesen. Ich war halt so froh. Anschließend bin ich eingeschlafen, wie auf man auf dem Bild sieht.
4. Lebensphase
Das ist meine bisher kürzeste, wird aber hoffentlich meine längste Lebensphase. Seit dem Ausflug gehe ich meiner Mama nicht mehr von der Seite. Sie sagt ich würde sie stalken, was immer das heißt und auch mit den Kumpels verstehe ich mich inzwischen ganz gut, wie man sieht. Das sind nur zwei von den 9 Stück, der Gescheckte ist Max, das war ein ganz schön harter Brocken, bis ich den um die Krallen wickeln konnte.
Meine Mama sagt, dass ihr mitgeholfen habt, dass es mir jetzt hier so gut geht. Diese ganzen ekligen Sachen, die ich bekommen habe (ihr nennt das Medikamente), die liegen anscheinend nicht einfach irgendwo rum, sondern für die muss man auch noch was bezahlen... Ich fand sie zwar wirklich eklig, aber okay, besser geht es mir jetzt wirklich. Also, Dankeschön, für eure Hilfe.
Tschüß, Euer Peterle
Ach ja, draußen habe ich noch einen Kater getroffen, der heißt Mogli und der hat gesagt, ich solle
bloß wieder nach Hause, auf der Straße hätte ich nichts zu suchen. Er hätte nicht so viel Glück
gehabt, seine Leutchen wären, als er jung war, umgezogen und hätten ihn zurückgelassen. Das
Futter, das ich gefressen hatte, war für ihn bestimmt. UPS, meine Mama würde ihn jetzt auch
versorgen, nur draußen, weil er im Haus Panik bekommt, dass er wieder zurückgelassen wird.
(April 2026)


